Gastspiel China
Die Oper Köln in China
Der Ring des Nibelungen
16.-19. September 2010 und 21.-24. September 2010 in Shanghai
Kulturhighlight des deutschen Pavillons auf der EXPO 2010 in Shanghai ist das deutsche Opernepos »Der Ring des Nibelungen« von Richard Wagner. Die Kölner Oper präsentiert dieses mächtige Werk gleich zweimal als geschlossenen Zyklus originalgetreu an vier Abenden hintereinander, jeweils vom 16. bis 19. September 2010 und vom 21. bis 24. September 2010 im Shanghai Grand Theatre. Mit diesem Gastspiel verbindet sich eine besondere »Premiere«: Es ist das erste Mal überhaupt, dass Richard Wagners »Der Ring des Nibelungen« in Shanghai zu sehen ist.
Die offizielle Einladung nach Shanghai zur EXPO 2010 erhielt die Kölner Oper Anfang 2008, als das Gürzenich-Orchester in der Metropole gastierte. Dass dieses Großprojekt während der EXPO verwirklicht werden kann, ist einer Ausnahmesituation geschuldet, die wohl als einmalig bezeichnet werden kann. Das Kölner Opernhaus wird ab Sommer 2010 grundsaniert und für die Dauer von drei Jahren eine neue Interimspielstätte in Köln beziehen. Daher ist in diesem Zeitraum erhöhte Mobilität gefordert.
Die logistischen Dimensionen dieses Gastspiels sind gewaltig und korrespondieren mit den Superlativen der EXPO 2010: 315 Mitarbeiter, darunter Sänger, Choristen, Statisten, Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildner, Make-up-Artisten und Techniker werden nahezu den gesamten September in Shanghai verbringen. In etwa 30 Container werden die aufwändigen Bühnenbilder transportiert - über eine Strecke von 14.000 km in 21 Tagen. Jede Gesamt-Präsentation des »Ring des Nibelungen« ist geradezu eine »Olympiade« auf dem Felde des Musiktheaters.
Aber nicht nur die reine Größe und der genuin deutsche Kulturbeitrag des Rings passen zur EXPO 2010 in Shanghai. Wenigstens ebenso spannend ist sein inhaltlicher Bezug. Die Zerstörung der Natur, der Zivilisation und die Frage nach den menschlichen Werten finden sich mit besonderem Gewicht auch im »Ring« in der Regie von Robert Carsen wieder. Seine Inszenierung trägt das Prädikat »Grüner Ring«, weil die Naturverantwortung als zentrales Themen gedanklich und visuell in den Mittelpunkt gerückt werden.
Der Raub des Goldes aus dem Rhein und die Umwandlung des Naturgutes in Geld werden im Ring als ökologische und zivilisatorische Katastrophe dargestellt. Gesellschaftliche Ordnungen, chaotische Zustände und emotionale Bindungen werden verworfen und als Grundproblem der Menschheit verhandelt. Erda, die leibhaftige »Erd-Göttin«, erkennt die ökologische Katastrophe und prophezeit als warnende „Mutter Natur“ den Untergang der Welt: »Alles, was ist, endet./ Ein düstrer Tag/ Dämmert den Göttern: Dir rat ich, meide den Ring …«. Und Wotan kann seinen Speer, der ihm alle Macht der Welt verheißt, nur durch Verletzung der Weltesche herstellen.
Dieser Ring des Nibelungen zeigt eindrucksvoll bild- und wortgewaltig, dass der Mensch, der die Gesetze der Natur verletzt, seine eigene Existenzgrundlage zerstört. Doch trotz dessen der Ring mit der Götterdämmerung endet, bleibt die Hoffnung, dass die Menschheit jenseits der alten Götter einen Weg in die Zukunft findet. Die Aussöhnung mit der eigenen Natur ist das Ziel in Wagners »Ring« und auch in unserem gegenwärtigen Naturbewusstsein.
Ein Originalzitat des Regisseurs Robert Carsen hierzu: »Die Zerstörung der Natur durch die Gier der Macht ist etwas, das wir aktuell erleben, erleiden. Das Wasser wird knapp und ist versucht wie auch der Boden und die Atmosphäre. (…) – Wie soll das weitergehen? (…) Richard Wagner hat das alles geahnt, dass nämlich die Gesetze der Natur uns Menschen fremd geblieben sind, wir sie nicht verstanden haben.«
Der Ring des Nibelungen fügt sich daher wie selbstverständlich nicht nur in das Motto der EXPO 2010 »Better city, Better life«, sondern vor allem auch in die Tradition des Umweltbewusstseins und der sozialen Verantwortung, die feste Bestandteile im Nachhaltigkeitskonzept der Unternehmensverantwortung sämtlicher weltweit agierender Wirtschaftsunternehmen geworden ist. Die Antwort auf die Frage nach einem besseren Leben behandelt der Kölner Ring mit einem Beitrag deutscher Hochkultur und dem Thema Umweltschutz gleichermaßen auf der »Weltbühne« EXPO 2010.
Die Inszenierung der vier Teile von Richard Wagners »Der Ring des Nibelungen« an der Oper Köln stellte in den vergangenen Jahren eines der herausragenden kulturellen Ereignisse Deutschlands dar.
Die Kritiken waren durchweg überschwänglich:
»Das alles mit einer solchen Intensität und Feinarbeit in der Personenführung und mit kongenialer Lichtregie aufgeladen, dass es keine Minute langweilig wird« (Handelsblatt)
»Die Walküren und vor allem der Siegfried gehören mit zum besten, was der internationalen Wagnergemeinde derzeit geboten wird« (Frankfurter Rundschau)
»Ein fulminantes Stück voll nachtschwarzem Realismus und augenzwinkerndem Entertainment« (Der Spiegel)
Wagner konzipierte den Ring als Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend: »Das Rheingold«, »Die Walküre«, »Siegfried« und »Götterdämmerung«. Ohne Pause kommt der Opernzyklus auf eine Länge von etwa 16 Stunden. Mit seinem Meisterwerk schuf Wagner einen neuen künstlerischen Ansatz, der die Welt der Musik und Oper revolutionierte und bis heute nachhaltige Wirkung zeigt. Die Uraufführung der gesamten »Ring«-Tetralogie fand vom 13. bis zum 17. August 1876 in dem eigens für Wagners Werke erbauten Bayreuther Festspielhaus statt.
Don Giovanni
28. September – 1. Oktober 2010 in Peking
Die Einladung der Kölner »Don Giovanni«-Produktion nach Beijing stellt in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit dar. Der Titelheld dieser Mozartoper steht bekanntermaßen für jede Form von Grenzüberschreitung – sei es erotischer oder gesellschaftlicher Art. Sein Motto: »Viva la libertà!« ist für seine Umwelt, die innerhalb fester gesellschaftlicher Schranken lebt, eine fast unzumutbare Herausforderung. Don Giovanni bezahlt mit seiner Höllenfahrt. Diese Neuproduktion der Mozart-Oper wird am 27. Juni 2010 - als letztes Ereignis vor der Generalsanierung - im Opernhaus am Offenbachplatz Premiere haben. Uwe Eric Laufenberg führt Regie, Gisbert Jäkel ist für die Bühne verantwortlich, die Kostüme entwirft Antje Sternberg. Für das zu erwartende hohe musikalische Niveau stehen Generalmusikdirektor Markus Stenz, der das Gürzenich-Orchester Köln dirigieren wird, sowie die Gesangssolisten Christopher Maltman (Don Giovanni), Simone Kermes (Donna Anna), Maria Bengtsson (Donna Elvira), Claudia Rohrbach bzw. Jutta Böhnert (Zerlina) und Mirko Roschkowski (Don Ottavio).
In Beijing wird das moderne National Centre for the Performing Arts, als ein neues Wahrzeichen der Stadt auch »The Egg« genannt, den Aufführungsort des Kölner Gastspiels bilden. Architekt des großen, im Jahr 2007 nach sechs Jahren Bauzeit eröffneten Veranstaltungszentrums ist der Franzose Paul Andreu.
Vorstellungstermine: 29. und 30. September und 1. Oktober 2010.
Die Oper Köln begreift es als eine besondere Ehre, an einer solch prominenten Stelle ihre künstlerische Arbeit präsentieren zu können.
Tickets
Karten für die Kölner Inszenierung »Der Ring des Nibelungen« in Shanghai von Robert Carsen im September gibt es hier:
www.ringatexpo.deDAS RHEINGOLD
16., 21. SEP. 2010
MIT Greer Grimsley, Samuel Youn, Mirko Roschkowski, Carsten Süß, Oliver Zwarg, Martin Koch, Kurt Rydl, Ante Jerkunica, Dalia Schaechter, Cassandra McConnell, Hilke Andersen, Jutta Böhnert, Regina Richter, Katrin Wundsam
DIE WALKÜRE
17., 22. SEP. 2010
MIT Lance Ryan, Kurt Rydl, Greer Grimsley, Astrid Weber, Catherine Foster, Dalia Schaechter, Machiko Obata, Regina Richter, Hilke Andersen, Cassandra McConnell, Andrea Andonian, Katrin Wundsam, Christina Khosrowi
SIEGFRIED
18., 23. SEP. 2010
MIT Stig Andersen, Greer Grimsley, Oliver Zwarg, Martin Koch, Ante Jerkunica, Hilke Andersen, Catherine Foster, Jutta Böhnert
GÖTTERDÄMMERUNG
19., 24. SEP. 2010
MIT Lance Ryan, Catherine Foster, Samuel Youn, Oliver Zwarg, Kurt Rydl, Astrid Weber, Dalia Schaechter, Katrin Wundsam, Cassandra McConnell, Jutta Böhnert, Regina Richter, Katrin Wundsam
Eine Leserreise des Kölner Stadtanzeigers finden Sie hier:
Leserreise Kölner Stadtanzeiger