Stellungnahme
14. März 2010
Ratsbeschluss
Hier finden Sie das Protokoll der Ratssitzung mit dem endgültigen Beschluss zur Sanierung:
29. Januar 2010
Stellungnahme der Opernintendanz und der Projektleitung Bühnen
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln,
im Zusammenhang mit den Bauplänen für den Offenbachplatz und der nun entstandenen Initiative für ein Bürgerbegehren sind wir an einer Versachlichung der Diskussion unter Einbeziehung konkreter Daten und Fakten interessiert.
Dem momentan gültigen Entwurf des Architektenteams JSWD/Chaix&Morel, der eine Sanierung der Oper und einen Neubau für das Schauspiel vorsieht, ist ein langer demokratischer Prozess vorausgegangen.
Würde man sich zum jetzigen Zeitpunkt, nach insgesamt sieben Jahren des Vorlaufs, im Sinne des angestrebten Bürgerbegehrens dazu entschließen, diese Planungsergebnisse aufzuheben, würde dies bis zur Erreichung des gewünschten Ziels auf demokratischem Wege erneut eine mehrjährige Phase von Ausschreibungen, Wettbewerbsvorschlägen und Ratsbeschlüssen notwendig machen.
Man kann die Länge solcher Verfahren an den Stationen ablesen, die für den aktuellen Stand benötigt wurden und die Sie am Ende des Briefes nachverfolgen können. Wir geben zu bedenken: Das im Jahr 1958 eröffnete Opernhaus ist noch nie saniert worden. Es entspricht in keiner Hinsicht mehr den heutigen Sicherheitsbedingungen und dem erforderlichen technischen Standard.
Das Schauspielhaus war bislang in logistischer Hinsicht immer nur ein Anhang des Opernhauses; das heißt, es verfügt bis zum heutigen Tag über keine eigenen Probebühnen, keine Hinter -oder Seitenbühnen, keine eigenen Lagermöglichkeiten etc.
Eine bloße Sanierung des Schauspielhauses würde bedeuten, diesen Stand des Jahres 1960 auf unbegrenzte Zeit festzuschreiben.
Der Neubau eines Schauspielhauses hingegen würde keineswegs – wie nun hin und wieder zu hören – einen »Abbau der Kunst zugunsten einer bloßen Hülle« bedeuten, sondern dem Theater neue Möglichkeiten verschaffen.
Eine Aufhebung des im Dezember 2009 gefassten Ratsbeschlusses mit dem Ziel, das alte Schauspielhaus zu »erhalten«, würde die Bühnen der Stadt Köln unweigerlich in einen nicht steuerbaren Ausnahmezustand versetzen, für den - analog der unten aufgeführten Zeitleiste - mindestens weitere 10 Jahre zu veranschlagen wären.
Das würde bedeuten: Bis mindestens 2020 (!) in Ersatzspielstätten - mit zusätzlich entstehenden Kosten! - oder Ende des Spielbetriebs.
Wie auch immer Sie sich entscheiden: Wir bitten Sie, sich alle Fakten bewusst zu machen, und plädieren unsererseits für eine Ausführung der bisherigen Planungen im Sinne einer Sanierung der Oper und eines Neubaus für das Schauspiel.
Chronologie der Ereignisse, die zum jetzigen Stand der Sanierung der Oper und Neubau Schauspielhaus führten:
2002 bis 2003 Erstellung einer umfangreichen Machbarkeitsstudie über verschiedene Sanierungsvarianten durch Gerling und Arendt.
Die Empfehlung war die sogenannte »Vollversion«, also mit Balletträumen, Orchesterproberaum und den Dekorationswerkstätten vor Ort.
Darauf erfolgte eine ausführliche politische und öffentliche Diskussion über alle denkbaren Varianten; von der Sanierung des Riphahn-Ensembles bis hin zum kompletten Neubau von Oper und Schauspiel.
2005 wurde Gerling und Arendt mit einem Zusatzgutachten beauftragt,
um die Variante »Sanierung der Oper und Neubau des Schauspielhauses« zu untersuchen.
Dieses Gutachten kam im Januar 2006 dann zu dem Fazit:
»Diese Variante ist jedoch auch aus den unterschiedlichsten Anforderungen heraus die optimalste Lösung:
- Denkmalschutz: Erhalt eines der wichtigsten Gebäude in Köln aus der Nachkriegszeit (Restaurationszeit)
- Städtebau: Setzung neuer städtebaulicher Akzente durch moderne Architektur (Wettbewerb), Aufwertung Offenbachplatz und Umgebung
- Betriebsicherheit: Klar getrennte Logistik für Oper und Schauspiel für störungsfreien Betrieb bei höchstmöglicher Sicherheit durch redundante Vernetzung
- Optimierung Betriebsgrößen: Das alte Schauspielhaus ist mit über 900 Sitzplätzen und einer Raumtiefe von 30 Metern zu groß.
- Personal- und ressourcenschonendes Bauen:
Großzügige Bühnenflächen mit ausreichend Nebenflächen / Lager ermöglichen einen hochwertigen Spielbetrieb mit wenig Personal. Die intensive Vernetzung des gesamten Betriebs ermöglicht einen reibungsarmen, schnellen und effektiven Ablauf von der Konzeption bis zur Uraufführung.
Die vorliegende Variante nimmt eine Sonderstellung ein, da die nicht gelösten Probleme der anderen Varianten beseitigt werden. (Unbefriedigende Anlieferung Schauspielhausbühne / nur minimal erweiterbare Bühnenflächen im Schauspielhaus)
Der Gutachter empfiehlt daher dem Betreiber die Umsetzung der Variante 4, Vollversion mit Neubau Schauspiel.«
Daraufhin kam es zu einem Ratsbeschluss im Juni 2006, der die Vorbereitung eines Wettbewerbs zur Realisierung der Sanierung Opernhaus (Vollversion mit Optionen) und Neubau des Schauspielhauses zum Inhalt hatte.
Hierfür wurde ein Raum- und Funktionsprogramms durch das Büro von Prof. Stephan Rolfes (itv - Ingenieur- und Sachverständigenbüro für Theater- und Veranstaltungstechnik) erstellt.
Erste Fassung Anfang 2007, Fertigstellung nach Überarbeitung im Januar 2008.
Mit dem Ratsbeschluss vom November 2007 wurde die Auslobung des Architektur - Wettbewerbs beauftragt.
Am 22.2. 2008 wurde der Wettbewerb ausgeschrieben, am 26.5.2008 war die Abgabe der Ergebnisse.
Am 26./27. 6. 2008 tagte das Preisgericht, das Votum der Jury war übrigens einstimmig.
Am 28.8.2008 gab es den Weiterplanungsbeschluss für den Gewinner–Entwurf.
Im Juni 2009 wurde wegen der Kostenexplosion nach der Vorplanung ein Planungs-Stopp erteilt. Es folgte die Untersuchung verschiedener Varianten.
Am 17. Dezember 2009 beauftragte der Rat der Stadt die Bühnen mit der Weiterführung der Planung in der bekannten Variante.
Im Juli 2010 werden die Bühnen aus ihren Häusern ausziehen um den Bauleuten Platz zu machen. Im Moment ist die Wiedereröffnung der sanierten Oper und die Eröffnung des neuen Schauspielhauses für 2014 vorgesehen.
Dieses Verfahren hatte also am Ende eine Laufzeit von 11 Jahren!
