Die Handlung von Alban Bergs Oper geht auf das 1836/37 verfasste Dramenfragment von Georg Büchner zurück, das durch einen wirklichen Kriminalfall aus dem Jahre 1821 angeregt war. Ein 41-jähriger Mann namens Johann Christian Woyzeck hatte in Leipzig seine Freundin aus Eifersucht erstochen; sein Geisteszustand während der Tat bildete einen wichtigen, in mehreren Gutachten diskutierten Untersuchungsgegenstand im Verlaufe des Strafprozesses, der mit der Hinrichtung des Angeklagten endete.
Der Operntext hält sich eng an die Büchnersche Vorlage: Der Soldat WOZZECK, von seiner Umgebung gering geachtet und mitleidlos ausgenutzt, wird regelmäßig von apokalyptischen Angstvisionen heimgesucht. Als er seine Liebe zu MARIE, mit der er ein uneheliches Kind hat, durch ihre Affäre mit einem TAMBOURMAJOR bedroht sieht, tötet er die Frau in einem Anfall von Eifersucht und Wahn am Ufer eines Sees, in dem er anschließend selbst den Tod findet.
Fünf Jahre lang, beginnend während des Ersten Weltkriegs bis in das Jahr 1921, arbeitete Alban Berg (1885 – 1935) an seiner »WOZZECK«- Komposition. Die szenische Uraufführung fand im Dezember 1925 unter der Leitung Erich Kleibers an der Berliner Staatsoper Unter den Linden statt.
Bergs Opernwerk wurde ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, ist im Geiste der Zwölftontechnik komponiert und entwickelt ein stringentes Drama mit durchaus humanistischem Appell. In ihrer präzisen Struktur und in der Verarbeitung unterschiedlichster musikalischer Formen ist sie bis heute wie eine »Zusammenschau der ›Oper an sich‹« (Pierre Boulez). Innerhalb der Musiktheatergeschichte steht sie als ein modernes Meisterwerk, das eigene Maßstäbe setzt und niemanden kalt lässt, weil es den Menschen so zu zeigen versucht, wie er wirklich ist. Theodor W. Adorno formulierte es: »Keine andere Musik aus unserer Zeit ist so menschlich wie die von Berg, und davor erschrecken die Menschen.«
