Sonntag aus Licht, Teil 1

Sonntag aus Licht, Teil 1
Karlheinz Stockhausen

LICHT von Karlheinz Stockhausen geistert eher als Legende durch das Kulturleben. Es ist ein Werk der Superlative: ein Zyklus von 7 Opern mit 29 Stunden Musik; über 29 Jahre hat der Komponist daran gearbeitet. Szenische Aufführungen von Teilen daraus sind seltene Ereignisse. Immerhin gab es auch in Köln 2008 den 2. Akt von »DONNERSTAG aus LICHT« zu sehen: MICHAELS REISE UM DIE ERDE, mit der musikFabrik unter Peter Rundel; die szenische Präsentation des Werkes durch ein spanisches Regie-Team um Carlus Padrissa (La Fura dels Baus) war ein spektakuläres Ereignis und begeisterte das Publikum. Das gab den Anstoß für die Oper Köln, sich mit diesem Team an die Uraufführung der letzten Oper des Zyklus zu wagen: SONNTAG aus LICHT. Für den April 2011 sind 6 Vorstellungen geplant. LICHT ist ein Zyklus über die sieben Tage der Woche. In alten religiösen Traditionen ist jedem Tag ein für das Menschenleben zentrales Thema zugeordnet; dieses Thema bestimmt in Stockhausens Werk die Oper des zugehörigen Tages. Das gilt auch für den SONNTAG. Sonntag ist der Tag der Gottesbeziehung und Gottesverehrung; Stockhausen hat diese Oper ganz ausdrücklich Gott gewidmet. Der gesamte Opernzyklus läuft auf den SONNTAG zu: Das Religiöse grundiert das Geschehen in allen Tagen – nun im SONNTAG wird es das zentrale Thema.
Gott die Ehre zu geben, das ist die Quintessenz eines religiösen Lebens, ein Vorhaben, das alle Kräfte hervorruft und aufs Höchste steigert. Für den Musiker heißt das: vor Gott zu singen und zu spielen, ihn so zu loben und zu preisen, daß alles Menschenmögliche dabei zum Einsatz kommt. Das bestimmt alle sechs Szenen der Oper: Das Sonnensystem beginnt zu tönen; die von Gott geordnete Schöpfung, vom Stein bis zu den Heiligen und den sublimsten
Kräften weist mit ihrer Schönheit auf den Schöpfer; die sieben Tage der Woche als Inbegriff der dem Menschen zugemessenen Zeit mit all ihren Themen und Energien sind von Gottes Licht durchdrungen und entfalten einen Duft, der nach oben steigt; und schließlich in den letzten beiden Szenen, in  HOCH-ZEITEN für Chor und für Orchester zeigt sich, daß in irdischer und himmlischer Liebe Gott selber wirkt, dessen Wesen Liebe ist. Nach alter religiöser Tradition sind die Engel vorbildlich, wenn man sucht, Gott zu verherrlichen; Stockhausen läßt sie in der Szene  ENGEL-PROZESSIONEN erscheinen. Hier zeigen sie uns, daß ein gottgefälliges Leben nicht in verbissener Höchstleistung besteht, sondern daß es aus der Freude an Gottes Gegenwart heraus die Stimme erhebt. Das bestimmt die gesamte Oper. Stockhausen wäre nicht er selber, wenn es ihm nicht auch hier darum ginge, Grenzen zu überschreiten, höchste Ansprüche an Musiker, Bühnenkünstler und ebenso an das Publikum zu stellen. Gerade wenn Gottes Lob erklingen soll, muß das Unerhörte Gestalt gewinnen, weil der Mensch sich dem Unbegreifichen zuwendet. Aber in all dem waltet Harmonie, Schönheit, Freude – das ist der Grund-Klang, der in jedem Takt von  SONNTAG aus LICHT zu hören ist.

THOMAS ULRICH

In Zusammenarbeit mit der musikFabrik

 

Gefördert vom

 

Gefördert im Rahmen von Fonds Neues Musiktheater 2011

 

 

 

 

 

 

 


WDR Runfunkchor, Ltg. Rupert Huber

 

 

 

Dramaturg Dr. Thomas Ulrich dokumentiert in seinem Blog regelmäßig die Proben der Produktion:

 http://www.licht-zyklus.com/blog

Premiere

Sa 09. Apr. 2011

Aufführungen

1. Szene: Lichter - Wasser (Sonntags-Gruss)

Musikalische Leitung
Sopran
Tenor
Klangregie
Orchester

2. Szene: Engel-Prozessionen

3. Szene: Licht-Bilder