Leonce und Lena (Ballett Zürich)

Leonce und Lena (Ballett Zürich)
 

Kurzeinführung ab 19:00 Uhr  im Foyer der Oper am Dom  durch den Werksdramaturgen Michael Küster

Leonce und Lena

Schon seit Langem ist Christian Spuck von den Werken des deutschen Dramatikers Georg Büchner fasziniert, der mit seinem schriftstellerischen Schaffen zwischen der deutschen Romantik und der aufkommenden Moderne steht. Mit sezierendem Blick hat der Dichter gleichsam Autopsien der menschlichen Seele vorgenommen und, wie es der Lyriker Durs Grünbein formulierte, »die Risse, die durch den Einzelnen gingen, früh und keineswegs kalt registriert.« Seit 1836 wirkte Georg Büchner in Zürich als Privatdozent für Medizin und ist hier im Alter von nur 23 Jahren gestorben. 2008 schuf Christian Spuck für das Aalto Ballett Essen das abendfüllende Handlungsballett »Leonce und Lena«, das nun wenige Wochen vor Büchners 200. Geburtstag mit dem Ballett Zürich zur schweizerischen Erstaufführung gelangt.

Die Königskinder Leonce und Lena wurden miteinander verlobt, ohne sich zu kennen. Beide beschließen jeweils, der Hochzeit zu entfliehen. Der von Langeweile geplagte Leonce will mit seinem Gefährten Valerio nach Italien gehen und dort als Faulpelz leben; Lena lässt sich von ihrer Gouvernante zur Flucht verleiten. Unterwegs begegnen sich die beiden – und verlieben sich. In Unkenntnis der Identität des jeweils anderen erscheinen sie maskiert am Hofe von Leonces Vater und werden miteinander verheiratet …

Christian Spuck verwandelt Büchners hintersinnig-sarkastische Komödie in eine aufgedrehte, tempo und einfallsreiche Automaten-Farce und liefert gleichzeitig die getanzte Karikatur deutscher Kleinstaaterei. Die luftigen, bisweilen grotesken Stücke des Walzerkönigs Johann Strauß beflügeln ebenso wie die modernen Klänge von Alfred Schnittke und Bernd Alois Zimmermann die traurig-komische Geschichte und unterstreichen ihre parodistischen Elemente.